Feedback ist Silber, Feedforward ist Gold: Ein Paradigmenwechsel

Kennst du das unangenehme Gefühl im Magen, wenn ein Mitarbeitergespräch ansteht? Oft liegt das daran, dass klassisches Feedback fast ausschließlich in den Rückspiegel schaut. Wir analysieren Fehler, sezieren vergangene Projekte und erzeugen damit oft Rechtfertigungsdruck statt Motivation.

Der renommierte Executive Coach Marshall Goldsmith hat eine brillante Alternative entwickelt: Feedforward. Das Konzept ist radikal simpel: Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber wir können die Zukunft gestalten.

Warum der Blick nach vorne gewinnt

Während Feedback oft als Kritik („Das hast du falsch gemacht“) wahrgenommen wird, ist Feedforward ein reiner Lösungsvorschlag („Probiere beim nächsten Mal Folgendes“). Es umgeht den psychologischen Abwehrmechanismus. Niemand muss sich für die Zukunft rechtfertigen, denn sie ist noch nicht passiert.

Feedforward in der Praxis:
(Der Unterschied liegt oft nur in der Formulierung und der Haltung)

Szenario 1: Der ausschweifende Redner

  • Feedback (Vergangenheit): „Deine Präsentation letzte Woche war viel zu lang und unstrukturiert. Du hast alle gelangweilt.“
  • Reaktion: Der Mitarbeiter fühlt sich angegriffen und erklärt, warum die Details wichtig waren.
  • Feedforward (Zukunft): „Mein Vorschlag für dein nächstes Meeting: Versuche, deine Kernbotschaft in den ersten drei Minuten zu platzieren und maximal drei Folien zu nutzen.“
  • Reaktion: Der Mitarbeiter nickt und nimmt die Idee als Werkzeug mit.

Szenario 2: Mangelnde Sichtbarkeit

  • Feedback (Vergangenheit): „Du hast dich im letzten Quartal kaum eingebracht.“
  • Feedforward (Zukunft): „Ich möchte dich ermutigen, im kommenden Projekt die Moderation eines Teilbereichs zu übernehmen. Das würde deine Präsenz enorm stärken.“

Die goldene Regel für danach: „Danke“ und sonst nichts.

Der mächtigste Aspekt der Goldsmith-Methode ist die Regel für den Empfänger. Wenn du Feedforward erhältst, darfst du den Vorschlag weder bewerten, noch diskutieren oder dich erklären.
Es gibt nur eine erlaubte Antwort: „Danke.“
Das nimmt die Spannung aus dem Gespräch. Du musst den Rat nicht einmal befolgen – du musst ihn nur anhören. Das schafft eine Kultur der psychologischen Sicherheit und des Wachstums, statt einer Kultur der Angst.

Möchtest du die Dynamik in deinem Team sofort ändern?
Probiere diese Woche folgende Übung:

  • Wähle ein Verhalten, das du verbessern möchtest (z. B. besser zuhören).
  • Frage einen Kollegen: „Ich möchte besser im Zuhören werden. Hast du zwei Ideen für die Zukunft, wie ich das schaffen kann?“
  • Höre dir die Vorschläge an.
  • Sage: „Danke.“
  • Setze um, was für dich passt.

Vergiss den Rückspiegel. Gestalte die Straße, die vor dir liegt. Möchtest du mehr Inspirationen oder Hilfe? Das Team von FRE!DAY kann dich dabei unterstützen!

(Beitrag von Alexander Beichtbuchner – ab@freiday.at)